Dialog
Schreibe einen Kommentar

Im Kreis denken

Heute habe ich ein sehr interessantes Interview mit Manitonquat (Medicine Story), dem nordamerikanischen Heiler und Wampanoag-Ältesten, über die Bedeutung des Kreises gelesen.

Was haben alte indigene Traditionen mit moderner Kommunikation zu tun?
Ich habe mich die letzten 10 Jahre intensiv mit Begegnungen von Menschen im Kreis beschäftigt, mich selbst darin aufgehalten und wende ihn als Sitzordnung in Seminaren und Workshops immer wieder sehr gerne an. Eigentlich ist er meine „bevorzugte Form der Begegnung.“

Manitonquat, ein nordamerikanischer Gelehrter und gleichzeitig traditioneller Heiler, beschreibt es so: „Der Kreis ist ein Symbol für Einheit. Alles in einem Kreis ist von gleicher Wichtigkeit. Deshalb ist der Kreis für uns ein zentrales Symbol für gesunde menschliche Gemeinschaften. Wenn Menschen in einem Kreis zusammenkommen, um sich auszutauschen, sollte jede Aussage als gleich wichtig gesehen werden. In einem Kreis gibt es keine Hierarchie von Macht.“ Es ist jedes Mal wieder eine tolle Erfahrung, die Dynamik zu erleben, die im Austausch und in der Diskussion entsteht. Ein Seminar erhält dadurch eine ganz andere Qualität, die in klassischen „starren“ Sitzreihen niemals erreicht werden kann.

Wenn Trainer und Trainerinnen auf die Intelligenz der Gruppe vertrauen, sich zurücknehmen können, wenn es genügend Raum für Austausch gibt, dann ist ein Dialogkreis ein wertvolles Ritual.

Im Interview erklärt der nordamerikanische Schamane die Symbolik des „Sprechstabes“ – ein Gegenstand, der in die Mitte des Kreise gelegt wird. Wer ihn hält, hat das Wort und die Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Es muss sich dabei nicht um einen Stab handeln, es können unterschiedliche Gegenstände eingesetzt werden – es ist nur darauf zu achten, dass der gewählte Gegenstand atmosphärisch die Situation unterstützt. Ein Natursymbol schafft erfahrungsgemäß eine entsprechend wertschätzende Atmosphäre und Aufmerksamkeit. „Wenn ich aber mit einer Gruppe im Kreis sitze, denen das alles zu merkwürdig erscheint oder die befürchten, sie müssten jetzt Indianer werden, kann es auch ausreichen zu sagen: Lasst uns die Regel aufstellen, dass keiner zweimal spricht, bevor nicht alle einmal das Wort hatten. Und dann respektieren wir den Raum des anderen auf diese Weise.“ meint der Wampanoag-Älteste dazu. Ein wirklich lesenswerter Beitrag, der wundervoll aufzeigt, wie alte gewachsene Traditionen moderne Kommunikation bereichern können. Empfehlenswert: Aus „Altes Wissen für eine neue Zeit“, Kössel Verlag.

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASymposium_scene_Nicias_Painter_MAN.jpg

Dieser Beitrag wurde am 25.04.2010 erstmals veröffentlicht, 2018 in meinen neuen Blog übernommen, weil für lesenswert erachtet. Finden Sie das auch?

Kategorie: Dialog

von

Kommunikations- und Unternehmensberaterin, Autorin "Das Miss Bizzy-Prinzip: Erfolgreich Gründen für kreative & intuitive Köpfe"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.