Social Media, Zeitlos
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Der Zahlengott

Wenn wir es nicht begreifen, dann fassen wir es in Zahlen. Das Internet hat eine Gottheit. Sie heißt Zahl. Es ist die Zahl der Hits und Bits, der Hypes und Bytes. Der Internetgott ist überall anwesend in seinem Universum. Und er ist GROSS. Sehr Groß. Seiner Größe wird gehuldigt.

640 Mio Facebooknutzer, 105 % Zuwachs in einem Jahr, 1.700 Stunden Videomaterial auf Youtube, 30.000 Tweeds in 30 Sekunden weltweit, Download von 15.000 iPhone Apps in etwas weniger als einer Minute ….. das Internet ist nicht nur voll von Menschen, es ist auch voll von Zahlen. Und auch ich gebe zu, ich zeige diese Zahlen auf Charts und Bildern und Videos auch immer wieder gerne in Vorträgen und Seminaren. Manchmal frage ich mich dann, was mir das sagen möchte, und welche Schlüsse ich daraus ziehen soll?

Ja, weil wir nicht wirklich immer begreifen was es alles bedeutet – versuchen wir die Komplexität zu erfassen.

Das Jahr 2010 war wohl das Jahr der Infografiken. Wenige finde ich informativ, viele finde ich verblüffend. Viele sind groß. Wieviele Downloads? Wieviele Klicks? Wieviele Freunde? Wieviele Followers? Was, soviel Zeit verbringen wir im Sozialen Netz? So oft sollen wir posten? So groß ist das Interesse?

Wir sind so klein in diesem Zahlenuniversum und das ist nicht immer leicht auszuhalten.

Deshalb gibt es ja auch auf Twitter Firmen, die uns Follower anbieten: Innerhalb von 3 Tagen mehr als 1000 Follower. Auf einen Schlag! Auf Ebay können wir auch gleich ein paar Tausend Fans für unsere Facebookseite kaufen. Gott sei Dank.

Wer wenige Freunde hat, darf man dem trauen?

Soll man dort kaufen? Ich mittendrin. Google mich selbst und freue mich, wenn es ein paar hundert Einträge zu meinem Firmen-Namen gibt. Wer auf Google nicht vorkommt, den gibt es in diesem Universum nicht. Ich mache auf Facebook kein Gewinnspiel. Nein. Ehrlich, ich habe schon darüber nachgedacht! Das würde doch schnell mal ein paar Fans bringen…. Nein, ich bewahre Ruhe. Ich möchte zusehen, wie es wächst. Kein Turbobeschleuniger. Und ich bin erfreut. Es tut sich etwas, einfach so – ich biete beharrlich Inhalte von denen ich glaube, dass sie für meine Kund/innen interessant sein könnten. Und – ich halte aus, dass es eine kleine Zahl ist. Aber ich bin ja auch nicht Coca-Cola. Auf Twitter habe ich gerade die Hundertermarke geknackt. Eine runde Zahl. UPS! Erwischt! Aber ehrlich: Keine/r gekauft.

Wir nähern uns der Komplexität eines neuen Universums an, fraglich, ob die Zahlengröße den richtigen Blickwinkel bietet. Ich beobachte. Wir Unternehmen nennen das Monitoring. Ansich eine gute Sache. Wir müssen uns jedoch davon lösen, die Daten rein auf ihre Größe hin zu überprüfen.

Wir befinden uns in einem Sozialen Universum, da geht es oft um den einzelnen, qualitativen Kontakt und nicht um die Masse.

Es geht um die guten Freunde. Die empfehlen gerne weiter. Es geht darum, Meinungsmacher/innen für sich zu gewinnen, die reden gerne darüber. Es geht darum, KundInnen-Loyalität zu stärken, das gibt Rückhalt bei Kritik.

Das große Potenzial des sozialen Netzes ist der Aufbau von Beziehungen, und die sind nicht quantitativ messbar.

Ich glaube auch, dass deshalb viele Ansätze, über das Soziale Netz einen klassischen ROI zu generieren, fehlschlagen. Der Maßstab ist falsch. Dazu aber demnächst ein eigener Beitrag.

Natürlich braucht es eine gewisse Menge an Fans und Follower, um genügend Interesse für Themen, Beiträge und die eigenen Angebote zu wecken. Kein Unternehmen betreibt einen Blog auf Dauer für eine Handvoll Menschen, kein Unternehmen wird für ein paar Follower täglich twittern, kein Unternehmen investiert in Social Media Marketing, wenn es quantitativ nicht messbar ist. Wir nähern uns der Komplexität des Zahlengottes an, wir ergründen sein Mysterium.

Vielleicht sollte ich doch einmal ein Gewinnspiel auf Facebook machen …..

Foto: https://pixabay.com/photo-1741068/

Dieser Beitrag wurde am 04.04.2011 erstmals veröffentlicht, 2018 in meinen neuen Blog übernommen, weil für lesenswert erachtet. Finden Sie das auch?

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