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Das Ende des Corporate Design

Eine Entwicklung die ich schon seit längerer Zeit beobachte und heute in den Raum stellen möchte: Das gute alte CD, das „Corporate Design“ – hat möglicherweise bald ausgedient.

„Corporate Design“ steht für das einheitliche Erscheinungsbild eines Unternehmens: Logo, Schrift, Farbklima und Gestaltungsraster ergeben gemeinsam einen klare Linie. Während meines Studiums und auch in den Anfängen meiner Selbständigkeit war die Schaffung einer Unternehmensidentität (ein Teil davon ist das Corporate Design) oberste Priorität: Es ging darum, kleine wie auch größere Unternehmen davon zu überzeugen, durch eine Abstimmung aller Werbemittel eine fokussierte Wahrnehmung und Wieder-Erkennbarkeit bei den Kundinnen und Kunden zu erzeugen.

Durch das Soziale Netz erhalten die Menschen hinter den Produkten oder Dienstleistungen – auch in der externen Unternehmenskommunikation – einen völlig neuen Stellenwert.

Für große Unternehmen bedeutet es, dass beispielsweise der CEO auch mal aus dem „Nähkästchen“ twittert. Zappos zeigt wie das erfolgreich geht. Auf Facebookseiten wie auch im Twitteraccount will man wissen mit wem man es zu tun hat. Hier zwitschert nicht mehr die Deutsche Bahn sondern Torsten, Kai, Janice und andere.

In manchen Unternehmen werden die Social Media Experten plötzlich zu wahren Identifikationsfiguren.

Das wirkt einerseits sympathisch, anderseits ein mögliches Dilemma, wenn die Person das Unternehmen verlässt. Die Verknüpfung kann dann für die Firma, wie auch den (vielleicht unfreiwilligen) Social Media Star, zu einem Problem werden. Glaubwürdigkeit ist eines der oberen Prinzipien in der sozialen Kommunikation. Was aber, wenn Lisi Müller zuerst für Nivea und dann für Dove twittert?

Das wirkliche Potenzial sehe ich für kleine Firmen und Einzelunternehmen.

Anstelle von neutralen Visitenkarten im Unternehmensdesign boomen Social Media Visitenkarten mit dem eigenen Foto und sämtlichen Social Media Kanälen.

Die Stärke der eigenen Persönlichkeit rückt hier ins Zentrum.

Gerade deshalb weicht wahrscheinlich in bestimmten Branchen und Unternehmensgrößen die klassische Webseite dem Unternehmensblog oder Social Media Newsroom. Dort gibt es oft gar kein großes Erscheinungsbild mehr, sondern Themen. Microsites auf denen alle Social Media Kanäle zusammenlaufen, fokussieren nicht mehr auf „Erscheinen“ , sondern auf Gespräche mit den Menschen. Viele Netzaktivistinnen entwickeln permanent neue Projekte und Ideen und betreiben für jedes Projekt eigene Seiten. Das Verbindende ist oft nur die Person. Sascha Lobo ist einer dieser Vielkönner mit einem Foto auf vielen Seiten.

Diese Goldene Regel des Corporate Design gilt auch im sozialen Netz weiterhin:

Wer wahrgenommen werden will muss eine gewisse Kontinuität zeigen.

Ob das CD völlig abgeschafft wird? Das nehme ich natürlich nicht an. An das klassische Erscheinungsbild werden jedoch neue Aufgaben gestellt: Es muss so flexibel sein, dass es in den unterschiedlichsten Social Media Kanälen funktioniert. Ein Favicon wird zum Beispiel wichtiger als ein zu strenges Gestaltungsraster.

Ich bin gespannt wohin sich die Sache weiter entwickelt.

Foto: https://pixabay.com/photo-565127/

Dieser Beitrag wurde am 05.09.2011 erstmals veröffentlicht, 2018 in meinen neuen Blog übernommen, weil für lesenswert erachtet. Finden Sie das auch?

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