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Aber natürlich muss ich über das letzte Jahr schreiben! Das alles dominierende Thema lautete eindeutig "Social Media". Irgendwie habe ich mich darüber unglaublich gefreut. Die EntscheidungsträgerInnen in Vorarlberger Unternehmen wollten mehr wissen - was mir einige spannende Vorträge und Seminare beschert hat. Schön, denn die Jahre davor erhielt ich meist die Antwort: Das ist doch Kinderkram!

Gleichzeitig war es am Ende des Jahres so weit, dass ich darüber nachgedacht hatte, das Thema aus meinem Portfolio zu streichen. An manchen Tagen dachte ich mir, ich hänge meinen Job an den Nagel - und es lag NICHT daran, dass plötzlich jeder Social Media Experte/Expertin war. Ein Kommentar auf Facebook von Dennis Sulzmann aus den letzten Tagen trifft diesen Nagel auf den Kopf : "Ich werde meine Geschäftsidee jetzt in die Tat umsetzen und einen Visitenkarten-Druckservice für Social Media-Berater aufmachen..." lol.

 

Während ich einerseits von diesem unglaublichen Informationshurrikan im Netz fasziniert war, hinterließ die Art und Weise der Diskussion nicht selten einen bitteren Nachgeschmack: Wirtschaftskrise plus Neue Branche mit Wachstumspotenzial plus Geschwindigkeit ergab oft inhaltliches Darmsausen.

 

Da wurden Statistiken, voreilige Schlussfolgerungen, Verallgemeinerungen und Best-Wisser-Beispiele im Sekundentakt veröffentlicht und die einzelnen Kommunikationsdiszipline erinnerten ab und zu an Kinder im Sandkasten: Social Media braucht Public Relations, nein, Social Media braucht Gewinnspiele, nein Social Media braucht Dialog (das war ich auch manchmal), nein Social Media braucht blablablawääähhhhh! Mama, da hat mir die andere Agentur das Social Media Spielzeug weggenommen! Die Social Web Blase tanzte fröhlich schillernd über dem blauen Spielplatzhimmel!

Branchenouting: Social Media ist immer noch ziemlich neu und wir wissen eigentlich noch gar nicht so richtig wie es funktioniert! Mit alten Schubladen und Lösungen wahrscheinlich nicht. Wir hatten letztes Jahr endlich mal mit mutigen KundInnen ausprobieren dürfen. Und, es gibt wohl schon ein paar Beispiele die zeigen, was gut funktioniert und was nicht. Das Liebäugeln mit Erfahrungen aus den USA bringt's  nur bedingt: Statt Diversity Management braucht es hier wohl Diversity Communication. Und nicht zuletzt: Die Beschäftigung mit dem technischen Wie-Was-Weshalb-Wozu überlagerte ab und zu noch ziemlich deftig die Inhalte.

 

Aber nach so entspannenden Feiertagen fühle ich mich optimistisch und freue ich mich darauf, dass  uns 2011 die Möglichkeit bietet Erfahrungen auszuwerten, die Diskussion weniger hysterisch und dafür (wieder) inhaltlich differenzierter zu führen, ich freue mich auf KundInnen, die noch mutiger werden und statt schneller Antworten das Potenzial für ihr Unternehmen ausloten wollen.